Mischen Süßstoffe unsere Darmbakterien auf?

Süßstoffe wie Aspartam, Cyclamat oder Sucralose haben längst schon keinen guten Ruf mehr. Während die Schlagzeilen zur schädlichen Wirkung der Süßstoffe zum Teil deutlich über das zweifelsfrei Belegte hinausschießen, scheint ein Zusammenhang mit Übergewicht unstrittig.

Welch eine Ironie: der kalorienreduzierte Süßstoff als Treibstoff für Gewichtszunahme.

Aber warum? Und wie genau? Unsere Darmbakterien könnten die Antwort darauf liefern.

Denn israelische Forscher haben herausgefunden, dass Süßstoffe Einfluss auf die Darmbakterien haben können: Auswirkungen zeigten sich u.a. für den Stoffwechsel und die Umwandlung von Nahrung in Energie. Mögliche Folgen: Übergewicht und damit verbundene Beschwerden.

Durchgeführt wurde die Studie allerdings mit Mäusen. Damit stellt sich die große Frage, wie weit sich diese Forschungsergebnisse auf Menschen übertragen lassen. Dafür spricht, dass ähnlich wie beim Menschen auch bei Mäusen die Fähigkeit, Energie aus Nahrung zu gewinnen, nicht nur von den Genen sondern auch von der Aktivität der unzähligen Mikroben im Darmtrakt abhängt.

Die israelische Studie lässt darauf schließen, dass Süßstoffe diejenigen Darmbakterien fördern, die besonders effizient Energie aus der Nahrung ziehen können und diese in Fett umwandeln. Das Ergebnis sehen wir auf unseren Hüften, den Oberschenkeln oder der Taille!

Von Mäusen, Darmbakterien und dem Blutzuckerspiegel

In der Studie gab es zwei Vergleichsgruppen von zehn Wochen alten Mäusen. Eine Gruppe nahm täglich Süßstoff zu sich (Aspartam, Sucralose und Saccharin), die andere nahm natürlichen Trauben- oder Rohrzucker zu sich. Das Ergebnis nach 11 Wochen: Den Mäusen in der Zucker-Gruppe ging es gut, während bei den Mäusen in der Süßstoff-Gruppe ein ungewöhnlich hoher Blutzuckerspiegel zu verzeichnen war. Diese Probleme, Glukose aus dem Blut aufzunehmen, können zu Diabetes führen und das Risiko für Leber- und Herzerkrankungen erhöhen.

Der Effekt ließ sich korrigieren, indem alle Darmbakterien mit Antibiotika abgetötet wurden. Die Darmbakterien entwickelten sich anschließend in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung und Balance. Und damit funktionierte auch die Blutzuckerkontrolle wieder wie zuvor.

Veränderung der Darmbakterien durch Süßstoffe auch bei Menschen nachgewiesen

Forscher an der Washington University in St. Louis untersuchten die Daten von rund 380 Menschen und stellten fest, dass diejenigen, die Süßstoffe benutzten, mit höherer Wahrscheinlichkeit übergewichtig waren. Als nächstes testeten die Wissenschaftler ganz gezielt eine kleine Gruppe schlanker und gesunder Menschen, die Süßstoffe mieden. Nachdem diese Personen fünf Tage lang die offiziell empfohlene Höchstmenge Saccharin zu sich genommen hatten, wurde bei vier von sieben Probanden eine abrupte Veränderung Ihrer Darmbakterien entdeckt.

Auch an der New York University beschäftigen sich Forscher mit den Zusammenhängen zwischen unseren Darmbakterien und verschiedenen Erkrankungen. Sie vermuten, dass die Veränderungen der Darmbakterien Auswirkungen auf die Hormone haben, die das Essverhalten steuern. Damit ließe sich erklären, was zunächst paradox klingt: Menschen, die kalorienarme Süßstoffe verwenden, nehmen an Gewicht zu!

Offene Fragen und individuelle Konsequenzen

Lassen sich die Ergebnisse der israelischen Mäuse-Studie wirklich auf Menschen übertragen? Dagegen spricht die große genetische Vielfalt des Menschen. Darüber hinaus kann es andere Einflussfaktoren auf die Mikroben im menschlichen Organismus geben (z.B. die jeweiligen Lebensumstände).

Dennoch sind die Erkenntnisse aus der Sicht der Forscher – insbesondere im Hinblick auf Saccharin – durchaus valide. Immerhin ist ein Beispiel persönlicher Maßnahmen bekannt: Einer der Experten verwendet anstatt Süßstoff nun natürlichen Zucker in seinem morgendlichen Kaffee!

Als nächstes sollte er den Zucker vielleicht ganz aus dem Kaffee heraushalten.

1 Kommentar

  • Klaus J.
    13. November 2016
    reply

    12 Dosen Energydrinks (binnen 5 Tagen) mit Sucralose erzeugte bei mir Blähungen, ich konnte mich niocht mehr unter Menschen sehen (riechen) lassen . Da nahm ich nichts mehr von dem Zeugs! Trank ich in den Folgetagen (nach der Total-Abstinenz) Bier, waren auch die Blähungen wieder stärker. Ich nehme an, die Darmkultur muss sich wieder normalisieren. Evtl. werde icxh eine Darmreinigung mit Sauerkrautsaft anvisieren.
    Widerliches und gefährliches Zeug, man sollte es verbieten. Studien werden manipuliert oder schön geredet, während solche Studien wie hier doch ALARM schlagen müssten. Ichh versteh die Welt nicht, oh doch, ich versteh diese Welt nur zu gut, wo es um Gier und Macht geht. Gesundheit ist egal.

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